Der Wolf zurück in Deutschland

Der Wolf in Deutschland

Unter dem Titel „Willkommen Wolf! Gekommen, um zu bleiben“ haben wir vom Ortsverband der Grünen einen sehr interessanten Vortrag zur Rückkehr des Wolfes nach Deutschland gehört. Das Thema ist topaktuell: auch die Bundesregierung setzt sich mittlerweile mit der Rückkehr des Wildtieres auseinander – leider nicht immer in einer Art, die man für wünschenswert halten würde. Der derzeit diskutierte – und schon als Gesetzesentwurf vorbereitete – erleichterte Abschuss von Wölfen, stellt das Verhältnis zwischen Mensch und Wolf, und vor allem ein vernünftiges Zusammenleben beider, wieder einmal in Frage. Doch egal, ob man dem Wolf eher kritisch oder offen gegenübersteht. Realität ist, dass der Wolf seit dem Jahr 2000 wieder vermehrt in Deutschland gesichtet wird. Mittlerweile gibt es 73 feste Rudel, die vor allem im Osten Deutschlands resident sind. Auch in unserer unmittelbaren Nähe wurden insbesondere in den letzten Jahren immer wieder einzelne Wölfe gesichtet.

Wolfsbotschafterin informiert

Deshalb sind wir froh mit Andrea Schumacher eine ausgewiesene Expertin für das Thema gewonnen zu haben. In ihrem Vortrag hat uns die ausgebildete Wolfsbotschafterin des Naturschutzbundes (NABU) einiges Knowhow vermittelt, das wir gerne hier teilen. Die Wolfsexpertin sieht vor allem die Angstmache rund um den Wolf kritisch. Die Geschichte vom bösen Wolf á la Rotkäppchen werde dem Wildtier nicht gerecht. „Vielmehr ist effektiver Herdenschutz, zum Beispiel durch hohe Elektrozäune oder Herdenschutzhunde, die Antwort“, meint Andrea Schumacher. Dadurch funktioniere ein Zusammenleben zwischen Wolf und Mensch etwa in Ost- und Südeuropa bereits gut. Wir vom Grünen Ortsverband in Langenberg danken Andrea sehr und können die Arbeit der bundesweit rund 300 Wolfsbotschafter*innen nur empfehlen. Wer selbst mehr über Wolfsbotschafter*innen erfahren möchte oder sogar ein Info-Event organisieren möchte, wird auf der Internetseite des NABU fündig.

Grüne informieren sich zum Thema Wolf

 

Interessante Fakten zum Wolf in Deutschland

  • Historisch gesehen ist der Wolf ein Nahrungskonkurrent.
  • Männliche Wölfe heißen Rüden, weibliche nennt man Fähen.
  • Ein Wolf legt bis zu 75km am Tag zurück.
  • Das sog. Monitoring gibt Aufschluss über die Bestandsentwicklung.
  • Zurzeit leben um die 600 Wölfe (in Rudeln, als Paare, oder als Einzelgänger) in Deutschland.
  • Ein Wolf kann auf mehrere Kilometer gegen den Wind riechen.
  • Ein Wolf kann andere Wölfe bis auf 9km Distanz hören.
  • Der Wolf darf nicht ohne Weiteres geschossen werden: er steht seit 1992 unter europäischem Schutz und ist durch das Washingtoner Abkommen geschützt.
  • Die Zahl der illegalen Tötungen steigt, auch Verkehrsunfälle mit Wölfen kommen immer wieder vor.
  • Wolfpopulationen regulieren sich selbst. Sobald zu viele Wölfe in einer Regionen leben, wandern Teile des Rudels ab.
  • Wölfe ernähren sich zum Großteil von Rehen, Wildschweinen, Rothirschen und Dammwild.
  • Weltweit gab es bisher nur 9 menschliche Todesfälle durch den Wolf. 5 davon hatten nachgewiesen Tollwut, die 4 anderen wurden zuvor als Welpen vom Menschen angefüttert.
  • Wölfe sind monogam, ein Paar ist ein Leben lang zusammen.
  • Die natürliche Sterblichkeitsrate von Welpen liegt nach einem Jahr bei 50%.

 

 

Wie umgehen mit dem Wolf?

Fest steht: In der Diskussion rund um den Wolf, müssen wir sachlich bleiben und davon absehen den Wolf als blutrünstiges Biest darzustellen. Auch wenn der Wolf schon durch Märchen wie Rotkäppchen oder Ausdrücke wie „Problemwolf“ ein negatives Image erhält, müssen wir weiter mit Fakten argumentieren. Der Wolf ist ein scheues Wildtier und wird sich nur in Ausnahmefällen in die nähere Umgebung von Menschen begeben.

Fest steht auch: In solchen Situationen jagt der Wolf auch Nutztiere. Deshalb ist effektiver Herdenschutz sehr wichtig. Dort wo Herden gut geschützt sind – vor allem durch Elektrozäune, die mindestens 1,20m hoch sind – werden sich keine Wölfe niederlassen. Wölfe sind lernfähig: dort wo die Nahrungsbeschaffung sehr schwierig ist, wird kein Wolf glücklich. Herdenschutzhunde sind eine weitere tolle Möglichkeit Nutztiere zu schützen. Viele Rassen werden schon seit Jahrhunderten in Ost- und Südeuropa eingesetzt und dort funktioniert der Schutz der Nutztiere sehr gut. Risszahlen sind dort deutlich geringer. Hier haben Nutztierhalter gelernt mit dem Wolf zusammenzuleben, anstatt gegen ihn zu kämpfen. Dass es auch dort hin und wieder zu Rissen kommt, ist nicht ausgeschlossen. In als Wolfsgebiet ausgesprochene Regionen ist im Übrigen eine schnelle Entschädigung möglich. Wichtig ist darüberhinaus: der Wolf ist kein Konkurrent zum Jäger. Zahlen belegen, dass der Wildbestand sich durch die Rückkehr des Wolfes nicht verringert hat, Bestände sind auf dem selben Niveau wie seit vielen Jahren.

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